Die Diskussion um Ranking und Impakt nimmt in der Wirtschaftsinformatik einen zentralen Stellenwert ein, da Publikationsorte zunehmend zur Bewertung wissenschaftlicher Qualität, zur Ressourcenverteilung und zur Karriereplanung herangezogen werden. Für Studierende und Promovierende stellt sich damit die Frage, wie sie diese Instrumente verstehen und verantwortungsvoll für die eigene Arbeit nutzen können. Diese Seite gibt einen Überblick über zentrale Konzepte, Kennzahlen und Ranglisten und bietet zugleich Hinweise zur sinnvollen Einbettung in den eigenen Forschungsprozess.
Rankings spielen eine bedeutende Rolle in der Wissenschaft der Wirtschaftsinformatik. Sie ermöglichen es Forschern, Hochschulen, Studierenden und Fachleuten, eine Vorstellung von der Qualität, dem Einfluss und der Relevanz von Forschung und Bildungseinrichtungen zu gewinnen. Rankings können bei der Entscheidung über Studienprogramme, Forschungskollaborationen und Karriereschritte helfen.
Unter Impakt wird im wissenschaftlichen Kontext meist die Sichtbarkeit und Rezeption von Publikationen verstanden, häufig operationalisiert über Zitationen. In diesem Zusammenhang haben sich verschiedene Kennzahlen etabliert, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Wirkung abbilden:
Der Impact Factor misst, vereinfacht gesprochen, wie häufig Artikel einer Zeitschrift in einem bestimmten Zeitraum zitiert werden.
Der CiteScore basiert auf einem ähnlichen Prinzip, verwendet aber einen anderen Bezugszeitraum und eine breitere Datenbasis.
Der H‑Index versucht, die Produktivität und Zitationshäufigkeit einer Autorin oder eines Autors in einer einzigen Kennzahl zu bündeln.
Diese Metriken sind hilfreiche Indikatoren, aber keine absoluten Qualitätsurteile. Sie sind abhängig von Fachkultur, Zitiergewohnheiten und der Abdeckung der zugrunde liegenden Datenbanken. Insbesondere in der Wirtschaftsinformatik, die an der Schnittstelle von Informatik, Betriebswirtschaftslehre und Sozialwissenschaften agiert, sollten Impact‑Kennzahlen stets kontextsensitiv interpretiert werden.
In der Wirtschaftsinformatik wird eine Reihe von Rankings und Listen genutzt, um die Bedeutung von Zeitschriften und Konferenzen einzuordnen. Drei Bezugspunkte sind dabei besonders relevant:
Die AIS‑Listen (z. B. AIS Senior Scholar Basket of Eight (Eine Suchanleitung findet sich hier), AIS - Senior Scholars' List of Premier Journals) bieten eine fachlich kuratierte Sicht der internationalen Wirtschaftsinformaitk‑Community auf besonders renommierte Journale.
Das VHB‑JOURQUAL3 (VHB-JOURQUAL3: Wirtschaftsinformatik) ist ein von der deutschsprachigen BWL‑Community getragenes Journalranking, das auch Zeitschriften der Wirtschaftsinformatik klassifiziert und im DACH‑Raum häufig zur Leistungsbewertung herangezogen wird.
Die FT50‑Liste (Financial Times 50, FT50 Ranking) fokussiert auf führende Journale im Bereich Management und Business; einige dort geführte Zeitschriften sind für WI‑Forschung anschlussfähig, stehen aber nicht primär im Zentrum der Disziplin.
Wichtig ist, dass diese Rankings unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen: Während AIS‑Listen stark disziplinspezifisch und community‑basiert sind, dient VHB‑JOURQUAL vor allem der betriebswirtschaftlichen Evaluationspraxis, und FT50 ist eher auf die Wahrnehmung in internationalen Business Schools ausgerichtet. Für die Wirtschaftsinformatik empfiehlt sich daher eine kombinierte Betrachtung, bei der disziplinspezifische und allgemeine Rankings miteinander ins Verhältnis gesetzt werden.
Im Unterschied zu vielen Teilen der Betriebswirtschaftslehre kommt Konferenzen in der Wirtschaftsinformatik eine besonders hohe Bedeutung zu. Internationale Tagungen wie etwa AIS‑Konferenzen oder etablierte WI‑Konferenzen im DACH‑Raum gelten häufig als gleichwertige oder komplementäre Publikationsorte neben Journals. Konferenzbeiträge dienen nicht nur der schnellen Verbreitung neuer Forschungsergebnisse, sondern auch der Vernetzung und der frühen Rückkopplung mit der Community.
Für Studierende und Promovierende ist wichtig zu verstehen, dass in der WI häufig zwischen Konferenz‑ und Journalpublikationen differenziert wird – und dass hochwertige Konferenzen selbst intern „gerankt“ sein können. Eine bewusste Orientierung an renommierten Konferenzen kann daher sowohl für die Sichtbarkeit von Projekten als auch für den Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerks sehr wertvoll sein.
Die nach meiner Meinung Konferenzen mit besonderer Bedeutung für die Wirtschaftsinformatik reihe ich wie folgt:
Unabhängig davon gibt es zahlreiche spezielle Konferenzen. Kommen Sie gern auf mich (Matthias Gottlieb) zu, wenn Sie hierzu Fragen haben.
Die Wirtschaftsinformatik ist durch zahlreiche Fachzeitschriften und Special Interest Groups (SIGs) strukturiert, die bestimmte Themenfelder oder Methoden bündeln. Listen von Journals und SIGs können helfen, die eigene Arbeit in einem Forschungsökosystem zu verorten. Zugleich existieren wichtige Schnittstellen zu benachbarten Disziplinen, etwa zur Operations Research, zur Entrepreneurship‑Forschung oder zur Informatik.
Auf einer Übersichtsseite zu Ranking und Impakt sollte der Fokus jedoch klar auf wirtschaftsinformatischen Kernpublikationsorten liegen. Hinweise auf angrenzende Bereiche sind sinnvoll, wenn sie gut begründet sind (z. B. „Operations Research‑Journale mit Relevanz für Optimierungsprobleme in Informationssystemen“), sollten aber nicht durch sehr lange, fachfremde Listen den Blick auf WI‑spezifische Journale überlagern. Eine knappe Rubrik zu interdisziplinären Anschlussjournalen genügt hier meist.
Laut des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin sind noch folgende Fachzeitschriften und SIGs von Bedeutung. [1]
Fachzeitschriften der Wirtschaftsinformatik:
Fachzeitschriften zu Operations Research:
Fachzeitschriften zu Entrepreneurship:
Für Studierende in Bachelor‑ und Masterprogrammen bieten Rankings und Impakt‑Kennzahlen vor allem Orientierung. Sinnvoll ist es, bei Seminar‑ und Abschlussarbeiten:
den Kern der Literatur aus einschlägigen Journals und Konferenzen der Wirtschaftsinformatik zu beziehen,
Impact‑Metriken und Ranglisten als Filter zu nutzen, nicht als starre Ausschlusskriterien,
und bewusst auch interdisziplinäre Quellen einzubeziehen, wenn diese inhaltlich gut begründet sind.
Für Promovierende spielen Rankings darüber hinaus eine Rolle bei der Publikationsstrategie. Hier stellt sich etwa die Frage, in welchem Verhältnis erstklassige, aber schwer erreichbare Journals und Konferenzen zu realistischeren Publikationszielen stehen und wie dies in die Zeitplanung des Promotionsprojekts integriert werden kann. Rankings und Impakt‑Kennzahlen sollten dabei als Strategieinstrumente verstanden werden, nicht als Selbstzweck: Entscheidend bleibt die Qualität und Originalität der eigenen Forschung, nicht allein die Position des Publikationsorts in einer Liste.
Neben Rankings spielen Netzwerke, Vereine und Fachgesellschaften eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Karrieren in der Wirtschaftsinformatik, etwa durch Konferenzen, SIGs und Preisvergaben. Wer besser verstehen möchte, wie sich die Community über nationale und internationale Vereinigungen organisiert, findet weiterführende Informationen im Beitrag Vereine in der Wirtschaftsinformatik: Netzwerke für Innovation und Wissensaustausch.
Schließlich ist es wichtig, Rankings und Impact‑Metriken kritisch zu reflektieren. Sie können:
bestimmte Themen und Methoden bevorzugen,
innovative oder interdisziplinäre Ansätze unterrepräsentieren,
und institutionelle Machtverhältnisse verstärken, statt sie zu hinterfragen.
Ein reflektierter Umgang bedeutet, Rankings als eine Perspektive auf wissenschaftliche Qualität zu sehen – hilfreich, aber unvollständig. Für eine verantwortlich gestaltete wissenschaftliche Praxis in der Wirtschaftsinformatik sollten sie immer mit fachlichem Urteil, methodischer Sorgfalt und inhaltlicher Relevanz kombiniert werden.
[1] https://www.wiwiss.fu-berlin.de/fachbereich/bwl/pwo/lehre/Journal-Empfehlungen/index.html, zugegriffen am 30.08.2023