Einen realistischen Zeitplan für die Abschlussarbeit erstellen
Einen groben, aber strukturierten Zeitplan für die Abschlussarbeit zu erstellen, ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um das Projekt systematisch und gut handhabbar zu gestalten. Ein geplanter Ablauf erleichtert es, den Fortschritt zu verfolgen, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die Arbeitsbelastung rechtzeitig anzupassen, bevor Fristen kritisch werden.
Ein schriftlicher Zeitplan hilft dabei,
Wenn beim Schreiben oder in der Durchführung Probleme auftreten – und das ist in der Regel der Fall –, kann der Plan angepasst werden, anstatt ganz aufgegeben zu werden.
In der Praxis läuft selten alles nach Plan. Literatur ist eventuell nicht verfügbar, weil ein Buch noch im Bestellprozess der Bibliothek steckt oder gerade entliehen ist. Ein Programmcode, der zunächst unkompliziert wirkt, kompiliert nicht oder ein Software‑Werkzeug erweist sich als deutlich komplexer als angenommen. Mitunter lassen sich Ergebnisse mit den ursprünglich vorgesehenen Methoden nicht auswerten und das Vorgehen muss angepasst werden.
Um solchen Unsicherheiten Rechnung zu tragen, ist ein expliziter Zeitpuffer sinnvoll. Ein pragmatischer Richtwert ist, etwa 10 % der Gesamtzeit als Reserve einzuplanen. Dieser Puffer ist kein „Bonus“, sondern dazu da, Verzögerungen abzufangen, etwa durch
Der Zeitplan lässt sich gut in Phasen gliedern, zum Beispiel:
Den 10 %-Puffer sinnvollerweise vor allem in der Mitte und am Ende platzieren (Datenerhebung/-auswertung, Schlussbearbeitung), da dort Verzögerungen am häufigsten auftreten.
Statt nur „im Kopf“ zu planen, lohnt sich ein einfacher Zeitplan als Tabelle oder Gantt‑Diagramm (z. B. in Excel oder einem Projekttool). Ordne konkrete Daten oder Kalenderwochen den Phasen zu, markiere den Puffer sichtbar und überprüfe den Plan regelmäßig. Sobald absehbar ist, dass einzelne Phasen deutlich länger dauern, besteht noch Zeit, Umfang, Vorgehen oder Unterstützung anzupassen – bevor die Abgabefrist in Gefahr gerät.
Ein möglicher grober Zeitplan für eine Abschlussarbeit mit einer Dauer von fünf Monaten ist in Abb. 1 dargestellt.
Zeitpläne können auch mit MS Projekt erstellt werden. Dazu ist die Gantt-Diagramm-Ansicht hilfreich, ein solches Diagramm ist in Abb. 2 dargestellt.
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter betreue ich seit vielen Jahren zahlreiche Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte. Dabei zeigen sich immer wieder ähnliche Fragen und Hemmnisse, wenn Studierende eine wissenschaftliche Arbeit planen, durchführen und abschließen.
Um den Einstieg zu erleichtern, finden sich im Folgenden einige praxisorientierte Hinweise für das systematische Erarbeiten einer Abschlussarbeit bzw. Forschungsarbeit (vgl. auch Wissenschaftliches Schreiben, Forschungsfrage und Forschungslücke in der Wirtschaftsinformatik und Abschlussarbeiten - Gliederung). Diese Empfehlungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können je nach Fachgebiet, Hochschule oder Forschungseinrichtung variieren. Sie bieten jedoch eine erste grobe Orientierung und lassen sich an individuelle Anforderungen anpassen.
Aus didaktischer Sicht lässt sich eine Forschungsarbeit in drei Hauptphasen gliedern: die Vorbereitungsphase, die Durchführungsphase und die Abschlussphase. Die Vorbereitungsphase umfasst alle Schritte vor dem formalen Beginn der Studie, insbesondere Themenfindung, Eingrenzung der Forschungsfrage und Planung des methodischen Vorgehens (vgl. Forschungsmethoden). Die Durchführungsphase bündelt alle Aktivitäten während der Bearbeitung, wie Datenerhebung, Auswertung und fortlaufende Überarbeitung des Textes. Die Abschlussphase ist vergleichsweise passiv geprägt und konzentriert sich auf finale Korrekturen, formale Prüfung, Abgabe und ggf. die Vorbereitung der Verteidigung. Im weiteren Verlauf werden diese drei Phasen systematisch vertieft und mit konkreten Arbeitsschritten hinterlegt.
Eine der m. E. mit großem Abstand am häufigsten gestellten Frage. Eine klare und nachvollziehbare Abschlussarbeit umfasst zwischen 60 und 80 Seiten. Eine Arbeit mit lediglich 20 oder 30 Seiten hat i. d. R. nicht die nötige Tiefe. Es gibt Ausnahmen, aber diese sind, wie das Wort "Ausnahme" suggeriert, selten und damit nicht der Regelfall. Allein um den Stand der Forschung abzubilden, die Vorgehensweise und die Anwendung der Methodik zu erklären, werden einige Seiten benötigt. Ausgeschlossen sind die Ergebnisse, die kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen sowie die Limitationen, die Zusammenfassung und den Ausblick. Zusätzlich kommen noch Referenzen und gegebenenfalls ein Anhang hinzu.
Die kritische Auseinandersetzung sollte den Schwerpunkt der Arbeit bilden. Das bedeutet, dass dessen Seitenumfang entsprechend lang im Verhältnis zu den anderen Kapiteln ist. Tipp: Am besten die Seitenzahl je Kapitel aufschreiben und in Excel als Diagramm darstellen. Nun zeigt sich die Verteilung. Dies sollte n der Art einer verschobene Gausskurve sein, dessen Höhepunkt vor dem Schluss liegt. Auf diese Weise kann man schnell feststellen, ob die Arbeitet evtl. entartet ist.
Eine Erläuterung findet sich unter Abschlussarbeiten - Proposal.
Eine Erläuterung findet sich unter Abschlussarbeiten - Gliederung.
Dies ist von Hochschule und Fachrichtung verschieden. Die Formalia dazu finden sich meist auf den Homepages der jeweiligen Infopoints, Studienbüros oder Servicebüros. Vereinzelt gibt es Vorgaben eines Lehrstuhls.
Was ist eine geeignete Forschungsfrage?
Das Auffinden einer geeigneten Forschungsfrage ist nicht trivial. In der Praxis erlebe ich es das gern ein Qualitätsmaß herangezogen wird, welches mit dem Wort gut verknüpft wird. Eine sehr beliebte Frage ist: Was ist das eine gute Forschungsfrage? Bei dem Wort "gut" stellt sich die Frage: Was ist eine schlechte Forschungsfrage? Es stellt sich somit die Frage: Wie kann gemessen werden, wann eine Forschungsfrage geeignet ist?
Es gibt einige Merkmale, welche bei der Entscheidungsfindung nach einer geeigneten Forschungsfrage helfen. Merkmale:
Ein Beispiel für eine deskriptive Forschungsfrage wäre:
Was sind die Merkmale für eine geeignete Forschungsfrage?
Mithilfe von deskriptiven Forschungsfragen wird der Gegenstand einer Untersuchung erkundet. Diese Fragen unterstützen bei der Themenfindung der Abschlussarbeit.
Die Form der Forschungsfrage impliziert eine bestimmte Methode. Tabelle 1 zeigt eine Auswahl von Forschungsmethoden und dessen möglicher Form der Frage.
|
Methode |
Form der Forschungsfrage |
Benötigt die Kontrolle von Verhaltensweisen? |
Fokussiert auf gegenwärtige Ereignisse? |
|
Experiment |
Wie, Warum? |
Ja |
Ja |
|
Umfrage |
Wer, Was, Wo, Wie viele (how many), Wie viel (how much)? |
Nein |
Ja |
|
Archivanalyse |
Wer, Was, Wo, Wie viele, Wie viel? |
Nein |
Ja/Nein |
|
Geschichte |
Wie, Warum? |
Nein |
Nein |
|
Fallstudie |
Wie, Warum? |
Nein |
Ja |
Literatur:
[1] Yin, R.K. 2014. Case Study Research: Design and Methods, (5th ed.). Los Angeles [u.a.]: Sage Publications.
Diese Checkliste ist dazu gedacht eine allgemeine Richtlinie zu sein, welche dabei unterstützt an alle wichtigen Punkte beim Proposal zu denken, um den Erfolg der Abschlussarbeit bei mir sicherzustellen.
Ist die Forschung von theoretischer und praktischer Relevanz?
Ist das Thema präzise genug, um einen Beitrag zur Information Systems Theorie und Information Systems Praxis zu leisten?
Ist mir klar, was ich nicht vorhabe?
Fasst es die Hauptidee meines Forschungsvorhabens in nicht weniger als 10 - 12 Worten auf spannende Weise zusammen?
Ist es eine prägnante Aussage über die Forschungsherausforderung?
Gibt der Titel das Ergebnis der Arbeit wieder?
Wird die breite Öffentlichkeit sie verstehen?
Vermeide ich Abkürzungen?
Liefere ich eine kurze Beschreibung meiner vorgeschlagenen Forschung / des Phänomens?
Gebe ich an, warum der Leser sich dafür interessieren sollte?
Warum ist das Thema und die Forschungsfrage von allgemeinem Interesse?
Stelle ich einen Kontext her (welche Theorien / Konstrukte, was nicht, Zeit, Ebenen: persönlich (Achtung: immer allgemein nicht persönliches Interesse), organisatorisch, wirtschaftlich, technisch, etc.)?
Erkläre ich, wie die Ergebnisse meiner Forschung das allgemeine Verständnis des Themas fördern werden?
Erkläre ich, wie die Ergebnisse meiner Forschung eine Wissenslücke schließen?
Habe ich eine formale und klare Erklärung über den Zweck meiner vorgeschlagenen Studie, insbesondere über meine Forschungsaufgabe und die damit verbundenen Forschungsfragen?
Mache ich überzeugende Argumente dafür warum mein Forschungsvorhaben und meine Forschungsfragen von Bedeutung sind?
Ist mein Forschungsvorhaben/-fragen aus einschlägiger, von Fachleuten überprüfter Literatur entwickelt worden?
Präsentiere und entwickle ich mein Forschungsvorhaben und -fragen mit einer ausreichenden Breite und Klarheit, damit auch Gutachter, die damit nicht vertraut sind, ihre Bedeutung verstehen können?
Sind meine Forschungsaufgabe und -fragen miteinander verbunden? Sind sie logisch, recherchierbar, erreichbar und ethisch?
Bauen die Forschungsfragen aufeinander auf?
Identifiziere ich einen theoretischen Rahmen/Framework und eine Methodik, die meine Forschung leiten sollen?
Erkläre ich den Forschungsansatz, mit dem ich die Herausforderung in meiner Studie zu lösen gedenke? Ist er explizit und gut durchdacht?
Sind sowohl mein theoretischer Rahmen als auch meine Methoden mit meinem Forschungsvorhaben und meinen Fragen verknüpft?
Zeigen sowohl mein theoretischer Rahmen als auch meine Methodik ein Verständnis der relevanten von Fachkollegen überprüften Literatur?
Sind meine Verfahren gut organisiert und klar beschrieben?
Liefere ich eine aussagekräftige Schlussfolgerung, die die Mikro- und Makro-Implikationen meiner Forschung aufzeigt und wie sie dazu beitragen wird, eine Wissenslücke zu schließen?
Nennt mein Zeitplan Daten für bestimmte Leistungen?
Und beziehen sich die Leistungen auf die Ziele, die ich mir gesetzt habe?
Ist mein Zeitplan überschaubar und realistisch?
Plane ich ausreichend Zeit für den Abschluss jeder Phase ein?
Ist die Reihenfolge für die Fertigstellung logisch?
Liefere ich eine Liste der zitierten Referenzen, die aktuell und relevant sind?
Benutze ich den richtigen Zitierstil (APA-6)?
Zitiere ich meine Referenzen angemessen?
Habe ich die Richtlinien für wissenschaftliches Arbeiten am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik geprüft?
Beziehe ich mich auf eine angemessene Qualität der Literatur?
Bauen meine Forschungsfragen aufeinander auf?
Reader für wissenschaftliches Arbeiten am Lehrstuhl wurde gelesen, verstanden und angewendet.
Habe ich auf Füllwörter wie "auch" verzichtet?
Habe ich präzise Angaben wie 8 aus 10 anstelle von "viele" verwendet?
Habe ich die Arbeit einen Tag liegen gelassen und nochmal gelesen bevor ich diese Abgeschickt habe? (Reduziert Fehler)
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